Unter Druck und im Umbruch: Was sich gerade grundlegend im Nonprofit-Sektor verschiebt
2025 wurden 751 Nonprofits aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden befragt. Vertreten waren kleine, mittlere und grosse Organisationen aus unterschiedlichsten Wirkungsfeldern. Die Mehrheit der Antworten stammt von Personen in Leitungs- oder Managementfunktionen. Die Erhebung zeigt sehr klar, wie stark sich Arbeitsrealität, Finanzierung und Digitalisierung innerhalb eines Jahres verändert haben.
Das Bild, das daraus entsteht, ist deutlich: Die Nachfrage nach gemeinnützigen Leistungen steigt spürbar. Die Finanzierung wächst nicht im gleichen Tempo. Und der digitale Wandel beschleunigt sich massiv.
Wenn der Bedarf wächst, aber die Mittel nicht mitziehen
Jede zweite befragte Organisation berichtet, dass die Nachfrage nach ihren Angeboten seit Anfang 2024 gestiegen ist. Im Vorjahr war es noch deutlich weniger. Gleichzeitig konnte nur etwa jede vierte Organisation im selben Zeitraum mehr finanzielle Mittel verzeichnen.
Das bedeutet: Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung. Doch das finanzielle Fundament vieler Organisationen bleibt instabil.
Der Report beschreibt diese Situation als gleichzeitige Belastung durch steigende Nachfrage, steigende Kosten und stagnierende Einnahmen. Viele Organisationen sehen sich dadurch gezwungen, Programme zu schliessen, Leistungen zu fokussieren oder Zielgruppen neu zu priorisieren.
Meine Einordnung:
Das ist kein temporärer Engpass, sondern ein struktureller Spannungszustand. Wer heute Wirkung entfalten will, muss stärker denn je erklären können, warum die eigene Arbeit notwendig ist, was sie konkret bewirkt und weshalb sie Unterstützung verdient.
Mittelbeschaffung bleibt das grösste Sorgenfeld
Mehr als ein Drittel der befragten Nonprofits bezeichnet die Sicherung ausreichender finanzieller Mittel als ihre aktuell grösste Herausforderung. Damit liegt Fundraising europaweit klar vor allen anderen Problemfeldern.
Besonders deutlich ist der Druck im Vereinigten Königreich, wo fast jede zweite Organisation angibt, dass die Mittelbeschaffung derzeit ihre Hauptsorge ist. In anderen Ländern stehen teilweise Personalthemen oder Datenschutz stärker im Vordergrund, doch insgesamt bleibt Finanzierung das verbindende Kernthema.
Gleichzeitig zeigt der Report einen kritischen Befund: Nur rund ein Drittel der Organisationen arbeitet aktiv daran, ihre Fundraising-Kanäle breiter aufzustellen.
Meine Einordnung:
Hier entsteht eine gefährliche Schere. Der finanzielle Druck nimmt zu, während viele Organisationen strukturell noch immer stark von einzelnen Einnahmequellen abhängig sind. Resilienz entsteht nicht durch Mehrarbeit im selben System, sondern durch strategische Weiterentwicklung.
Fundraising wird strategischer, aber noch nicht überall
Ein spürbarer Teil der Organisationen hat begonnen, Konsequenzen zu ziehen. Rund drei von zehn investieren heute stärker in Fundraising, Marketing und Kommunikation als noch im Jahr zuvor. Ein ähnlich grosser Anteil arbeitet gezielt daran, die eigene Fundraising-Strategie breiter aufzustellen und neue Kanäle zu integrieren.
Etwa jede vierte Organisation legt aktuell mehr Gewicht auf digitale Kanäle, auf die Gewinnung neuer Unterstützer:innen und auf den Aufbau stabiler Beziehungen. Besonders deutlich ist die Entwicklung im Zahlungsbereich. Deutlich mehr Organisationen als im Vorjahr investieren gezielt in Online- und Mobile-Payment.
Gleichzeitig zeigt der Report, dass auch freiwillige Fundraiser:innen an Bedeutung gewinnen. Inzwischen setzt etwa jede fünfte Organisation verstärkt auf dieses Modell.
Meine Einordnung:
Der Report zeigt eine klare Professionalisierungstendenz. Fundraising wird zunehmend als strategische Aufgabe verstanden. Gleichzeitig bleibt diese Entwicklung auf einen Teil des Sektors begrenzt. Ein grosser Anteil arbeitet noch immer mit Strukturen, die für die heutigen Rahmenbedingungen kaum ausgelegt sind.
Digital ist Normalität, nicht Innovation
Fast neun von zehn Nonprofits nutzen heute digitale Kanäle für Fundraising oder Engagement. Zwei Drittel kombinieren digitale und klassische Formate.
Am häufigsten kommen Social Media, Webseiten und E-Mail zum Einsatz, dicht gefolgt von bezahlter Social-Media-Werbung und persönlichem Fundraising. Auffällig ist der starke Zuwachs bei Instant Messaging, das innerhalb eines Jahres deutlich an Bedeutung gewonnen hat.
In den Niederlanden nutzen inzwischen fast alle befragten Organisationen digitale Kanäle, in UK sind es neun von zehn.
Der Report betont gleichzeitig, dass digitale Sichtbarkeit schwieriger wird. Steigende Werbekosten, algorithmische Veränderungen und zunehmende Reizüberflutung erschweren es, Aufmerksamkeit zu gewinnen und Beziehungen zu vertiefen.
Meine Einordnung:
Digitalisierung ist kein Wettbewerbsvorteil mehr, sondern Grundvoraussetzung. Entscheidend ist nicht, ob Organisationen digital kommunizieren, sondern wie klar, konsistent und beziehungsorientiert sie es tun.
Künstliche Intelligenz ist innerhalb eines Jahres im Arbeitsalltag angekommen
Die markanteste Veränderung im gesamten Report betrifft den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Während im Vorjahr nur ein kleiner Teil der Organisationen KI nutzte, ist es heute fast jede zweite. Weitere Organisationen geben an, offen für den Einsatz zu sein.
KI wird vor allem für Texterstellung, Berichte, Förderanträge, operative Entlastung sowie zur Analyse von Spenderdaten eingesetzt.
Gleichzeitig zeigt der Report eine breite Verunsicherung. Fast die Hälfte sorgt sich um Datensicherheit und Datenschutz. Rund ein Drittel befürchtet den Verlust interner Kompetenzen. Nur ein sehr kleiner Teil gibt an, keinerlei Bedenken zu haben.
Interessiert am ganzen Bericht? Ich habe in hier für dich hochgeladen.